Weihnachtsgrüße aus dem Diemelstädter Rathaus

Näher zusammenrücken und dankbar sein

Große Herausforderungen

Dachten wir zum letzten Jahreswechsel noch, dass die Pandemie unserer Gesellschaft schon ordentlich zugesetzt hat, so hat der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine mit seinen vielfältigen Folgen nochmal ganz neue Veränderungen mit sich gebracht. Neben Preissteigerungen und Inflation sowie der Änderungen auf dem Zinsmarkt haben wir gemerkt, dass sich unser Leben, so wie wir es gewohnt waren, völlig verändert hat. Auch unsere Vorstellung, mit billigem russischen Gas als Brückentechnologie die Zeit bis zum großflächigen Ausbau von erneuerbaren Energien zu gestalten, hat sich plötzlich als Irrglaube entpuppt. Trotz großer Klimaziele und Erderwärmung müssen wir nun doch auf Kohlekraft und Atomstrom zurückgreifen. Während viele sich Sorgen machen, wie sie in Zukunft über die Runden kommen sollen, setzt zeitgleich ein Fach- und Arbeitskräftemangel ein. Viele Leistungen können plötzlich nicht mehr erbracht werden, weil es an Arbeitskräften fehlt. Dazu kommt eine Flüchtlingsbewegung, die nicht nur aus ukrainischen Kriegsflüchtlingen, sondern auch aus Menschen besteht, die über die Balkanroute zu uns kommen. Viele Kommunen erreichen ihre Leistungsgrenze. Im Hintergrund wird aber auch schon vielerorts und auch bei uns nachgedacht, welche Maßnahmen die Versorgungslage bei einem großflächigen Stromausfall sicherstellen würde. Vorbereitet zu sein und über bestimmte Szenarien nachzudenken ist besser als kalt erwischt zu werden. Dass viele Mitbürger und Mitbürgerinnen besorgt sind ist nachzuvollziehen und kann nicht schöngeredet werden, aber wir müssen uns den großen Herausforderungen proaktiv stellen.

Wieder näher zusammenrücken

Damit wir nicht vollständig in Depressionen oder Lethargie verfallen, sollten wir uns zunächst einmal bewusst machen, dass wir als einzelne Individuen an vielen großen Entscheidungen in der Welt im Detail nichts verändern können und vieles über unsere Köpfe hinweg entschieden wird. Oftmals werden wir auch von den Massenmedien, Politikern oder über Social-Media in Panik versetzt. Ärgerlich ist hierbei, dass eine „laute Minderheit die Meinungsführerschaft über eine leise Mehrheit“ übernimmt. Deshalb sollten wir gelassen bleiben und konstruktiv den Problemen begegnen, die sich uns stellen. Mir ist in dieser Zeit wieder bewusster geworden, dass wir näher zusammenrücken müssen und auch mal wieder etwas toleranter durch den Alltag gehen sollten. Gerade die Familie, der Freundeskreis, die Arbeitskollegen, Vereinskameraden und andere Menschen, die uns nahestehen, sind in diesen Zeiten äußerst wichtig. Sie bieten uns Halt und eine Reflexionsfläche, bei der nicht immer alle die gleiche Meinung haben müssen. Gute menschliche Beziehungen lassen Toleranz zu. Oftmals reicht es schon, erst einmal in Ruhe nachzudenken, bevor man sofort ein schnelles Urteil fällt. Besonnenheit und Gelassenheit sind hierbei gute Berater. Die wichtigen sozialen Beziehungen, die hier bei uns auf dem Land deutlich besser ausgeprägt sind als in den Großstädten, sind es, die für uns einen sicheren Rückhalt in unsicherer Zeit bieten. Deshalb müssen wir uns den Wert guter und aufbauender Beziehungen bewusster machen und auch aktiv wieder daran arbeiten, dass sie wieder fester und sicherer werden.

Zusammen stark

Schauen wir auf die Ehrenamtlichen und ihre sozialen Projekte in Diemelstadt merken wir, dass es sich lohnt, zusammenzustehen und aktiv anzupacken. Nach Ausbruch des Krieges wurden in der Stadthalle hunderte von Paketen für die Ukraine in einer gemeinsamen Aktion von Kirche und Stadt gepackt. Sowohl Sach- als auch Geldspenden wurden gesammelt und alles wurde von den ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen für den Transport in die Ukraine vorbereitet. Gerade die Freiwillige Feuerwehr spielt immer eine Rolle, wenn es um Hilfe und Unterstützung in Notsituationen geht. Und auch in unserer „Schatzkiste“ konnten viele Kleidungsstücke und alltägliche Dinge im sozialen Sinn weitergegeben werden. Dazu kam mit unserem Integrationsbüro „Bridge2Diemelstadt“ eine sehr gute Betreuungsstelle für die Kriegsflüchtlinge hinzu, die gemeinsam mit dem städtischen Bürgerservice viele Fragestellungen bei Behördengängen und Wohnungszuweisungen regelt. Viele weitere Maßnahmen wären zu nennen. Wir leben in einem wunderbaren Land mit einer freiheitlich demokratischen Grundordnung mit guter Infrastruktur und einer sehr guten Versorgungslage. Das unterscheidet uns von vielen anderen Ländern, in denen Autokraten die Menschen unterdrücken und keine freie Meinung zulassen. Dieses hohe Gut dürfen wir nicht fahrlässig aufs Spiel setzen.

 

Frohe Weihnachten

Ich wünsche Ihnen eine schöne Weihnachtszeit und ein gesundes und erfolg­reiches Jahr 2023. Denken wir in der besinnlichen Zeit an unsere Alten und Kranken sowie die von uns Gegangenen. Vergessen wir in dieser Zeit auch unsere Rettungs- und Pflegekräfte sowie Ärzte nicht, die sich täglich aufopfern. Bleiben Sie besonnen, gesund und pragmatisch im Wissen, dass es uns in Deutschland und in unserer Region deutlich besser geht, als vielen anderen Menschen auf der Welt. Dankbarkeit, Toleranz und Gottvertrauen sollten uns in dieser besinnlichen Weihnachtszeit begleiten, damit wir zufrieden, dankbar und optimistisch in die Zukunft blicken können.

Herzlichst Ihr



Bürgermeister der Stadt Diemelstadt


Weihnachtsgrußwort